# 6. Kap. „Entzauberung“ der Magie: Zur wissenschaftlichen Weltanschauung

Die „Entzauberung der Welt“ war für Max Weber das Wesensmerkmal des wissenschaftlichen Forstschritts. Die zunehmende „Intellektualisierung und Rationalisierung“ habe zu einem Wissen oder Glauben geführt, dass es keine geheimnisvollen unberechenbaren Mächte gebe, dass man vielmehr alle Dinge durch Berechnen beherrschen könne: „Das aber bedeutet: die Entzauberung der Welt. Nicht mehr, wie der Wilde, für den es solche Mächte gab, muss man zu magischen Mitteln greifen, um die Geister zu beherrschen oder zu erbitten. Sondern technische Mittel und Berechnung leisten das.“[1] Die Weber’sche Formel lässt sich auch auf die Medizin anwenden: Durch Entzauberung der religiösen und magischen Heilkunde ist Medizin nicht mehr auf Priester und Zauberer angewiesen, sondern kann durch naturwissenschaftliche Methodik auf berechenbare Weise Mittel und Techniken der rationalen Diagnostik und Therapie bereitstellen. In der Tat wurde der naturwissenschaftliche Umbruch der Medizin im 19. Jahrhundert von einer solchen Generalformel begleitet, die den „Okkultismus“ als historisch überwundene Weltanschauung entschieden zurückwies. So der Siegeszug der naturwissenschaftlichen Medizin als ein glorreicher Entzauberungsprozess gefeiert, auf den im Zusammenhang mit der Einführung der Suggestionslehre noch einzugehen ist (s. Kap. 15).


[1] M. Weber, 1922.

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