# 7. Kap. Placebo-Therapie: Trojanisches Pferd der Magie?

 Die Problematik der Placebo-Therapie betrifft alle Gebiete der ärztlichen Praxis und ist in Allgemeinmedizin, Psychosomatik und Onkologie von besonderer Bedeutung. Was noch vor 50 Jahren weithin als unbedenklich galt, wirft heute ein ethisches Dilemma auf.[1] Einerseits kann die therapeutische Zielsetzung die Gabe eines Placebos verlangen, andererseits setzt dies voraus, dass der Patient darüber nicht aufgeklärt wird und somit einer vorsätzlichen Täuschung von Seiten des Arztes unterliegt. Die „Kompromissformel“ wäre demnach, eine Informationsebene zwischen höchster Effektivität des Placebos und weitest gehender Aufklärung des Patienten zu finden.[2] Unter bestimmten Voraussetzungen ist also die Placebo-Therapie in der klinischen Medizin nützlich und erlaubt. Freilich besteht nach derem wissenschaftlichen Selbstverständnis das Kerngeschäft in der Anwendung spezifisch wirksamer („wahrer“) Arzneimittel (Verum-Präparate) bzw. effektiver therapeutischer Eingriffe. Eine Heilkunde, die ausschließlich Placebo-Therapie betreibt, muss aus diesem Grund als unwissenschaftlich erscheinen: im besten Falle als harmlose Mode, im schlimmsten Falle als kriminelle Scharlatanerie. Im Diskurs der Placebo-Forschung erscheinen nun zwei große Bereiche der vor- bzw. unwissenschaftlichen Placebo-Therapie, die mit einem „Ozean“ des Placebo-Effekts (Shapiro) zu vergleichen seien:  die historischen Konzepte der vormodernen, nicht-naturwissenschaftlichen Heilkunde und die gegenwärtigen Konzepte der alternativen Medizin. [3]

 


[1] Schulz, 1960. [2[ Blanz, 1992, S. 128. [3] Shapiro, 1960, S. 114.

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