8. Kap./1 * Heilkraft der Natur

Der Topos von der „Heilkraft der Natur“ (vis medicatrix naturae) stellte zu allen Zeiten eine Art Zauberformel für Ärzte und Heiler dar. Er war für den Begriff der Heilkunst (ars medicina, ars medica oder ars medicinae) deshalb so entscheidend, weil er die Leitidee formulierte, dass die Natur selbst wie ein Arzt wirken könne. Mehr noch: Die Natur habe als primärer Arzt– besser gesagt: als primäre Heilerin – zu gelten, während der Mensch buchstäblich nur als sekundärer Arzt erfolgreich tätig werden könne, nämlich als ihr Nachfolger, Schüler, Diener. Die Natur genoss als oberste Instanz höchste Autorität und wurde als primäre Quelle der Heilung verehrt. Wir sollten uns bewusst sein, dass die Idee der Naturheilkraft auch heute noch in der alternativen bzw. komplementären Medizin von zentraler Bedeutung ist und dort regelmäßig als Schlüsselbegriff zu Werbezwecken eingesetzt wird. Der Topos vom „inneren“ oder „inwendigen arzt“ (Paracelsus) erscheint heute in vielen Variationen. So wirbt etwa eine Firma, die Infrarot-Kabinen als „Wellnesstempel für Ihr Zuhause“ vertreibt, mit dem Slogan auf ihrem Flyer: „In Ihnen steckt ein Heiler. Nutzen Sie ihn“.[1] Gesundheitsratgeber und Literatur zu lifestyle und Lebenshilfe stellen auf dem Büchermarkt seit Jahrzehnten eine beachtliche Sparte dar. Die Mischung von populärwissenschaftlichen, leichtverdaulichen Thesen, sinngebenden Lebensdeutungen und praktischen Ratschlägen befriedigt offenbar die Nachfrage vieler Menschen, wobei die „innere Heilkraft“ das Zauberwort darstellt.[2]. Im Unterschied zu heute erschien die Natur in früheren Zeiten jedoch nicht per se schon als ursprüngliche Heilquelle. Sie fungierte nur als Dienerin, Vermittlerin göttlicher Mächte. Ihre Kraft wurde häufig mit Lichtstrahlen dargestellt, die als Lebenskraft die irdische Welt und den menschlichen Organismus durchdrang und stärkte. Die Naturheilkraft war in der Tat ein Schlüsselbegriff der Medizingeschichte, wobei in naturphilosophischer Tradition seit der Antike die Natur per se mit ursprünglicher (göttlicher) Heilkraft identifiziert wurde.

Zunächst sei an das griechische Wort physis und sein lateinisches Synonym natura erinnert, die für die antike Medizin und ihre Ausstrahlungen bis in die Gegenwart richtungsweisend wurden. So heißt es im Corpus hippocraticum: „Die Naturen sind der Krankheiten Aerzte [nouson physies iatroi] – die Natur findet von selbst die Bahnen, nicht infolge von Ueberlegung“.[3] Hier stoßen wir bereits auf die wichtigste Metapher für die Heilkraft der Natur, nämlich den Arzt. Die Wirkung der Natur wurde mit der therapeutischen Tätigkeit des Arztes veranschaulicht.

Anmerkung 22.11.2014:

Zum obigen Zitat siehe genauere Angaben auf meinem Supplementary News Blog:

http://heinzgustavdotcom2.wordpress.com/?p=322

Doch eine solche metaphorische Charakterisierung der Heilkraft der Natur als Arzt bzw. Ärztin beschreibt zugleich eine Hierarchie: Die Natur erscheint als der ursprüngliche, erste Arzt, dem der menschliche Arzt untergeordnet, von dem er abhängig ist. Die sich – wörtlich nicht ganz korrekt – auf den griechischen Arzt Hippokrates berufende Spruchweisheit „medicus curat, natura sanat“ – zumeist übersetzt als „Der Arzt hilft, die Natur heilt“ – beschreibt das Verhältnis der beiden ärztlichen Instanzen. Es ist nicht geklärt, auf welchen Autor die exakte Formulierung des Spruchs zurückzuführen ist. Im Corpus hippocraticum finden sich jedenfalls nur analoge Umschreibungen, wie z. B.: „[…] das ist die Aufgabe der ärztlichen Kunst, […] ihn [den Menschen] gesund zu machen. Die Natur versteht dieses ganz von selbst […].“[4] Der menschliche Arzt könne nur insofern heilen, als er die Natur kenne und ihre Heilweisen nachahme, sich also als Diener der Natur betätige.

Der Topos von der Nachahmung (mimesis) der Natur wurde schon von Aristoteles ganz allgemein im Hinblick auf die Kunst (téchne) geprägt. Was die Natur geschaffen habe, suche der Mensch mit seiner Kunst nachzuahmen. So heißt es in seinen „Physikvorlesungen“: „Überhaupt vollendet die Technik [Kunst] teils das, was die Natur nicht erreicht, teils ahmt sie sie nach.“[5] Wir werden sehen, wie zentral der Topos von der Nachahmung der Natur für die Medizingeschichte gerade bei jenen Autoren von der frühen Neuzeit bis hin zur Romantik war, die sich der so genannten natürlichen Magie verschrieben hatten. Dabei kam es mit Paracelsus zu einer Akzentverschiebung: Während in der hippokratischen Tradition die Natur oberste Autorität gewesen war, erhielt nun der Arzt (von Gott) oberste Autorität für den Fall zugesprochen, dass die Natur selbst nicht mehr genügend Heilkraft besitzt. Im „Labyrinthus medicorum errantium“ schrieb Paracelsus: „der mensch ist zum umfallen geboren. nun hat er zwen [zwei] die in aufheben im liecht der natur: der inwendig arzt mit der inwendigen arznei, die seind mit ime in der entpfengnus geboren und geben […]. aber der arzt der eußerlich ist gehet erst an, wan der angeboren erligt, verzablet, ermüt ist, so befilcht er sein ampt dem eußern.“[6] Mit gewissem Stolz argumentierte dann Johan Baptista van Helmont im Sinne des Paracelsus, wahrscheinlich in Kenntnis des obigen Zitats, dass man nicht mehr „zu des Hippocratis Zeiten“ lebe, wo die „allgemeinen Artzneyen wieder alle Kranckheiten“ noch nicht bekannt gewesen seien und man deshalb die Natur als „die einige [einzige] Meisterin“ betrachtet habe.[7] Jetzt aber sei der Arzt, wenn die Natur „aus ihren eigenen Kräfften nicht wieder aufstehen kan […] [n]icht mehr ein Diener der Natur/ sondern ein Ausleger / ein Regent / und ein Herr und Meister über diesselbige.“ Auf die für die Wissenschafts- und Kunstgeschichte fundamentale Denkfigur von der Nachahmung der Natur komme ich später noch einmal zurück (Kap. 14).

Für die Naturheilbewegung des 19. Jahrhunderts war Christoph Wilhelm Hufeland, der berühmte Arzt der Goethzeit, eine wichtige Autorität. Er unterstrich wie kaum ein anderer Arzt um 1800 die traditionelle Idee der Nachahmung der Natur und spielte bei der Popularisierung der „Heilkraft der Natur“ eine entscheidende Rolle.[8] So stellte er seinem „System der practischen Heilkunde“ unter der Überschrift die „Therapeutik der Natur“ den Begriff der Naturheilkraft als Grundpfeiler seiner Lehre heraus.[9] Hier identifizierte er die Heilkraft der Natur mit der Lebenskraft des tierischen bzw. menschlichen Organismus. Er leitete die „Heiloperationen der Natur“ aus den „Prinzipien der Naturheilung“ ab. In seiner Programmschrift „Makrobiotik oder Die Kunst das menschliche Leben zu verlängern“ zog er die diätetischen Konsequenzen aus der „Naturtherapeutik“.[10] Es gelte, die Lebenskraft zu verstärken, wobei die Natur immer eine „gütige Mutter“ bleibe: „sie liebt und belohnt den, der sie sucht, und ist es uns gleich nicht allemal möglich, daß vielleicht zu hochgesteckte Ziel unseres Strebens zu erreichen, so können wir doch gewiß sein, auf dem Wege schon so viel Neues und Interessantes zu finden, daß uns schon der Versuch, ihr näher zu kommen, reichlich belohnt wird.“[11] Demnach stärkten Licht, Wärme, Luft und Wasser die Lebenskraft, „vier Himmelsgaben, die man mit Recht die Freunde und Schutzgeister alles Lebens nennen kann“.[12] Die Naturheilbewegung des 19. Jahrhunderts und ihre populäre Metaphorik – z. B. das „thermoelectrische Licht- und Luftbad“ nach dem schweizerischen Naturheiler Arnold Rikli im Sinne seiner „Thermodiätetik“[13] – lässt sich weitgehend von Hufelands Lehre ableiten. Freilich hatte das Element Wasser als Quelle der Naturheilkraft absoluten Vorrang (siehe unten).

Der „herzoglich Sachsen-Meiningische Hofmedicus“ und „Brunnenarzt zu Liebenstein“ Ferdinand Jahn spiegelte in seiner einschlägigen Monographie die allgemeine Wertschätzung der „Naturheilkraft“ im frühen 19. Jahrhundert wider.[14] Medizinische Autoritäten wie Hippokrates und Paracelsus, Sydenham und Stahl, aber auch zeitgenössische Ärzte wie Autenrieth und Stieglitz, denen er sein Buch widmete, sowie Gotthilf Heinrich Schubert und Johann Christian Reil wurden von ihm zitiert. Er stellte den „Kampf der Natur“ wider Schädlichkeiten und Krankheiten und die entsprechenden „Naturhülfen“ systematisch dar. Er wollte vor allem den Ärzten die entscheidende Bedeutung der „Naturheilkraft“ klarmachen. Grundlegend sei die Selbsterhaltungskraft des Organismus. Schon Cicero habe erkannt, „dass alle Natur die Selbsterhaltung mit sich bringe“.[15] In diesem Kontext zitierte er Gotthilf Heinrich Schubert, der das Atmen als einen Stoffwechselprozess der ständigen Erneuerung ansah: „Liehe mir nicht […] und überliesse mir nicht in jedem Augenblicke des Athmens ein allgemeines Belebbares seinen Leib und nähme (im Ausathmen) den meinen – den sterbenenden – hinweg, so wäre sogleich das Band, das die ursprünglich verschiedenen Elemente eint und zusammenhält, zerrissen und der Kreislauf des Lebens geschlossen.“[16] Jahn wollte letzten Endes die Naturheilkraft als göttliches Geheimnis verehren: „Leben, Seele, Natur, Gott – hier ist ewiges Geheimniss! da kniee, Mensch, du Schatten des Traumes, und bete mit dem Dichter: „Wer darf ihn nennen? / Und wer bekennen […]“.[17]  Diese Anspielung auf Fausts Antwort auf die Gretchenfrage zeigt nebenbei die große Popularität Goethes gerade bei den naturkundlich interessierten Ärzten.

Bei Jahn finden sich die klassischen Vorwürfe gegen die Ärzte, welche die Naturheilkraft missachteten und damit ihre ärztliche Aufgabe verrieten: „gerade diejenigen Vorgänge, durch welche einzig und allein Krankheiten geheilt werden können, werden von den Ärzten, die Bacons Wort: Homo naturae minister et interpres! so oft nachschwatzen, in unseliger Verblendung bekämpft und wo möglich zertört und ausgetilgt – das aber heisst heilen!“[18] Er berief sich auf Sydenham und Stahl, um seinen Haupteinwand zu begründen: dass man nämlich die „Ursymptome“ der Krankheit übersehen und die „Reactionserscheinungen als die Krankheit (Krankheitsform) schlechthin genommen“ habe.[19] Auch Hahnemann, „der das Göttliche in der Krankheit nicht einmal anerkennt, geschweige denn studirt“, habe die Krankheit mit der Reaktion des Organismus auf die Krankheit verwechselt. [20] Somit sei klar, „dass homöopathische Arzneien, da sie nur durch Steigerung der Reactionen wirken, blind und empirisch angewandt, wie es in der homöopathischen Schule der der Fall ist, leicht zu Ausartungen namentlich zu Excessivwerden derselben zu führen vermögen, also höchst gefährlich sind.“

Ähnlich wie Jahn argumentierte der weniger bekannte Georg Friedrich Christoph Greiner, ein Staddtphysikus aus Eisenberg bei Altenburg, der in seinem zweibändigen Werk „Der Arzt im Menschen“ ebenfalls ein Loblied auf die Naturheilkraft sang, wenngleich mit gringerem Pathos als jener.[21] Er hatte es der Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte „und ihrem Stifter Herrn Hofrath und Professor Oken in München“ gewidmet. Seine Denkweise war von Brownianismus, Vitalismus und Humoralpathologie geprägt und zeigte wenig Originalität. So lehnte sich seine Einschätzung von Hämorrhoidal-Blutung und Menstruation an das überlieferte Verständnis an. Zustimmend zitierte er Johann Christian Reil, der meinte: „Hämorrhoiden befreien oft die Leber, die Milz, den Magen und die Gedärme von Congestionen und andern Krankheiten; sie heilen oft die Hypochondrie.“[22] Reil hatte noch eine Reihe anderer Krankheiten aufgezählt, darunter Wahnsinn, Schlafsucht, Schlagfluss und Gicht, die „durch Hämorrhoiden entschieden worden“ seien. In diesem Sinn war auch für Greiner die Hämorrhoidalblutung heilsam: „Den heilsamen Blutfluß heilt dann auch die Natur selbst wieder, denn indem er die Ursache, die ihn erregte, die active Congestion, hebt, erleichtert er die Natur von der Last, die sie bedrückte und hört mit deren Entfernung von selbst auf.“[23]

Die Idee von der Heilkraft der Natur erreichte zwar im frühen 19. Jahrhundert ihre höchste Blüte und breiteste Anerkennung, tauchte aber in der Folgezeit immer wieder mit beachtlicher Virulenz auf. So eignete sie sich in Verbindung mit dem Maschinenmodell der menschlichen Physiologie und der organismischen Staatsauffassung gerade nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg vorzüglich für die metaphorische Ausschmückung nationalistischer Ideologie. So hielt der Internist Friedrich Moritz im Wintersemester 1920 eine mit Kriegspathos getränkte „Rektorats-Antrittsrede“ an der Universität zu Köln. Er ging von der These aus, dass die Lebenskräfte nicht nur im Nervensystem oder Gehirn tätig seien: „Alle wesentlichen Kräfte, die das Leben ausmachen, haben ihren Sitz an jeder Stelle des Körpers, in jedem einzelnen Baustein des Organismus, in jeder einzelnen Zelle.“[24] Dabei entspreche der Organismus einem Staatengebilde: „Wie im sozialen Staat, so haben wir auch im Zellenstaat eine weitestgehende Spezialisierung und Arbeitsteilung und eben durch diese die höchste Vollendung der individuellen Leistung.“[25] So entsprächen die Muskelzellen einer „Gewerkschaft mechanischer Arbeiter“ und die Zellen der Verdauungsorgane dem „Küchenhandwerk“. Nervenzellen entsprächen Telefondrähten, die jedes Haus des Staates mit den großen Zentralstationen des Nervensystems, „den Verwaltungs- und Regierungsstellen des Ganzen verbinden“.

Dementsprechend wurden Infektionskrankheiten von Moritz als Kampf auf dem Schlachtfeld gesehen. Die Bakterien erschienen als Angriff „feindlicher Zellen“, sodass bei ihrem Siege der „riesenhafte Organismus […] dann dem winzigen Zwergvolke zum Opfer gefallen“ sei.[26] Die Kriegsmetaphorik beschreibt die die bakteriologische Infektion: „Wir blicken auf ein Schlachtfeld mit Kämpfen von Mann gegen Mann. Denn die Soldaten des Zellstaates erscheinen auf dem Plan, die Wanderzellen.“ Aber auch hinter der Kampffront bleibe es nicht ruhig: „Ueberall im Organismus herrscht im eigentlichen Sinne des Wortes eine fieberhafte Tätigkeit.“[27] Schließlich komme es nach Entleerung des Eiters zu „Widerherstellungsarbeiten“ auf dem Schlachtfeld: „Die Zellen greifen wieder zur Friedensarbeit und gehen als flinke Bauhandwerker ans Werk.“[28] Ärztliche Kunst bestehe darin, dem Organismus beim „Kampf gegen die Bakterien“ „Waffenhilfe von außen zu schaffen.“ Der Autor plädierte auch für Heilmittel „aus dem Schatze der Natur.“[29] Gemessen am Zellenstaat des Organismus und seines „kategorischen Imperativ[s] der Arbeit“ seien die sittlichen Voraussetzungen in „unserem sozialen Staat“ vielfach verloren gegangen: „Und das Volk ist sich in seiner Gesamtheit noch nicht einmal bewußt, daß es krank ist.“ Unter Berufung auf den Zellenstaat forderte Moritz die ethische Pflicht zu nützlicher Arbeit: „Ein tatenloses Genießertum hat im Staate und der Gesellschaft keinen Platz mehr und keine Berechtigung, wie es sich auch nirgends im Organismus findet.“[30] Das Motiv dieser Arbeitsideologie war klar. Unter Berufung auf Fichtes Ausspruch „Der Mensch soll arbeiten …“ sollte die Arbeit zur Wiederauferstehung des darniederliegenden Vaterlands führen. So endete diese denkwürdige Rektoratsrede mit dem Satz: „Wir brauchen Arbeit, um in der Erinnerung an Deutschlands Größe leben zu können, schweigend und ohne zu klagen, Arbeit um einen langen steilen Weg zu erklimmen bis zur Höhe, von der aus Sie, Kommilitonen, in der Morgenröte einer neuen Zeit wieder blicken werden auf ein genesenes, starkes und glückliches Vaterland.“[31]

Es sei hier angemerkt, dass der Mesmerismus, oft in Kombination mit anderen „alternativen“ Heilmethoden wie Homöopathie, Phrenologie oder Psychotherapie (Hypnose) eine erhebliche Bedeutung für die Naturheilbewegung hatte. Denn Mesmers Lehre vom „Fluidum“ schien unmittelbar auf die reinste Form der Heilkraft der Natur zu verweisen (Kap. 24). Ungeachtet aller Kritik und Ablehnung des Mesmerismus durch die naturwissenschaftliche Medizin ab der Jahrhundertmitte lebte der animalische Magnetismus in verschiedenen Spielarten weiter, nicht zuletzt in der Laienmedizin. Wegen seiner unkomplizierten praktischen Anwendbarkeit und seiner spekulativen naturphilosophischen und okkultistischen Implikationen war er für viele von der Naturheilkunde Begeisterte noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine faszinierende Behandlungsmethode. Die zum Teil in sehr hohen Auflagen erschienene Ratgeberliteratur beweist die große Popularität des Mesmerismus.[32] Als Beispiel sei hier die Monographie „Magnetismus und Hypnotismus“ des österreichischen Okkultisten Gustav Wilhelm Geßmann erwähnt, die 1887 erstmals erschien und noch 1923 ein erweiterte Auflage erfuhr.[33] Was wissenschaftlich so fein säuberlich voneinander getrennt werden konne, nämlich okkulter Heilmagnetismus versus wissenschaftlich kompatibler  Hypnotismus, wurde von Geßner munter miteinander vermischt. Dagegen war der Vorwurf der Scharlatanerie von Seiten der akademischen Medizin ziemlich machtlos.[34]


[1] http://www.physiotherm.com/ (7.07.2012) [2] Grünn, 1990. [3] Hippokrates, 1897, S. 273  = Epidemien 6, V 1]. [4] Hippokrates, 1895, S. 297. [5] Aristoteles, Phys. B 8, 199a, 15 ff.; zit. n. G. Böhme, 1992, S. 227. [6] Paracelsus, Ed. Sudhoff, Bd. 11, S. 198 f. [7] J. B. van Helmont, 1683, S. 756 (1) [8] Neuburger, 1926, S. 123 ff.; 177 ff. [9] Hufeland, 1818. [10] Hufeland, 1796. [11] Hufeland [1796; 1860], 1858, S. 29. [12] A. a. O., S. 35. [13] Rikli, 1971. [14] Jahn, 1831. [15] Ebd., S. 494. [16] Zit. ebd. [17] A. a. O., S. 503. [18] A. a. O., S. 505. [19] A. a. O., S. 512. [20] A. a. O., S. 515. [21] Greiner, 1827; 1829. [22] Zit. n. Greiner, Bd., 1827, S. 444. [23] A. a. O., S. 445. [24] Moritz, 1921, S. 2. [25] A. a. O., S. 3 f. [26] A. a. O., S. 8. [27] A. a. O., S. 9. [28] A. a. O., S. 10. [29] A. a. O., S. 14. [30] A. a. O., S. 15. [31] A. a. O., S. 16. [32] Schott, 1985 [b], S. 268-271. [33] Geßmann, 1887. [34] Teichler, 2002.

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