# 16. Kap. Krankmachende Suggestion: Böse Einflüsterungen

Wenn die Fremdsuggestion des Arztes mit Hilfe der Autosuggestion des Kranken eine heilsame Wirkung ausübt, dann ist die Zielsetzung der ärztlichen Psychotherapie im Sinne Bernheims erreicht. Freilich ist auch ein gegenteiliger Effekt möglich: Bestimmte Fremdsuggestionen können über die Autosuggestion einen gesunden Menschen krankmachen und einen kranken noch kränker. Wenn ein Arzt solche Suggestionen eingibt, bewusst in Form einer psychtherapeutischen Beeinflussung, unbewusst als Ingredienz seines ärztlichen Handelns schlechthin, so ruft er „iatrogene“ Beschwerden hervor. Er schadet den Patienten und wirkt selber als „Nocebo“. Doch immer entscheidet nach der klassischen Suggestionslehre in letzter Instanz die Autosuggestion des Betroffenen selbst, welchen Ausgang Suggestionen im guten wie im bösen Sinne nehmen. Nicht nur der Arzt kann – in der Regel unbewusst – eine Art von Schadenszauber anwenden. Auch der (gesunde wie kranke) Mensch selbst kann sich mit seinen Autosuggestionen selbst schädigen. Die Medizingeschichte offenbart nicht nur bei ärztlichen Autoren aus unterschiedlichen Zeiten eine erstaunliche Sensibilität just für diese Problematik. An früherer Stelle wurde bereits der Nocebo-Effekt als verborgener Schadenszauber im gegenwärtigen Gesundheitssystem vorgestellt (Kap. 2). In diesem Kapitel wollen wir diese Problematik noch einmal kurz aufgreifen und sie im Horizont des Suggestionsbegriffs beleuchten.

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