# 17. Kap. Hypnose: Widerlegung von Magie und Magnetismus

Der Schlüsselbegriff der Suggestion entstand auf dem Boden des so genannten Hypnotismus, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als therapeutisches Konzept und Gegenstand psychologischer Forschung in Erscheinung trat. Er verstand sich nicht als Gegenentwurf zur naturwissenschaftlichen Medizin, sondern als deren psychologische Ergänzung. Es ist bemerkenswert, dass mit dem naturwissenschaftlichen Umbruch der Medizin in der Mitte des 19. Jahrhunderts auch der Hypnotismus als neues „Paradigma“ begründet wurde. Die Definition des „nervösen Schlafs“ durch den schottischen Chirurgen James Braid und sein programmatischer Buchtitel „Neurypnology; or, the rationale of nervous sleep considered in realtion with animal magnetism“ legten die Grundlage für eine mit der naturwissenschaftlichen Medizin kompatible Psychotherapie.[1] Freilich haftete der Hypnose in der öffentlichen Wahrnehmung über Jahrzehnte hinweg etwas Zwielichtiges und Gefährliches an, provoziert durch dubiose Schauhypnosen auf öffentlicher Bühne sowie durch spiritistische bzw. parapsychologische Experimente im Halbdunkel abgeschirmter Séancen. Gleichwohl wurde der Hypnotismus zum Nährboden der modernen Psychotherapie, die der kanadische Psychiater und Medizinhistortiker Henri F. Ellenberger in seinem epochemachenden Werk „Die Entdeckung des Unbewußten“ als „dynamische Psychiatrie“ (dynamic psychiatry) bezeichnet hat.[2]


[1] Braid, 1843. [2] Ellenberger, 1970.

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