26. Kap./3 * Somnambule Offenbarungen

Bis heute gehen die Meinungen über den Gesundheits- bzw. Krankheitszustand der „Seherin von Prevorst“ auseinander. Diesbezügliche „Diagnosen“, die in erster Linie von Psychiatern stammen, las­sen sich in drei Gruppen aufteilen: (1) Neurose bzw. Hysterie: So sprach der eine von einer „neurotischen Entwicklung mit Auftreten von schweren hysteri­schen Symptomen und Dämmerzuständen“.[1] Für den anderen war die Seherin „schwer hysterisch“.[2] (2) Geisteskrankheit bzw. Wahnsinn: In der ersten und bislang umfang­reichsten psychiatrischen Beurteilung der Seherin von Prevorst durch Ernst Albert Zeller wurde diese als „somnambule Wahnsinnige“ bezeichnet.[3] Denn: „Eine ganze fixe Ideenwelt ist nur im Gehirne eines Wahnsinnigen.“[4]Die heutige Diagnose wäre vermutlich „Schizophrenie“. (3) Mediale Veranlagung: In dieser Sicht erschien die Sehergabe der Friederike Hauffe nicht als Krankheitssymptom, sondern als paranor­male Fähigkeit eines überragenden „Mediums“. Diese Auffassung vertrat der Psychiater Joachim Bodamer: Es sei zu zeigen, „daß Friederike Hauffe weder eine phantastische Schwindlerin, noch eine Hysterikerin oder Neurotikerin, am wenigsten eine Schizophrene gewesen sein kann, wohl aber eine mit paranormalen Eigenschaften hochbegabte, einzigartige mediale Gestalt, deren Deutung allein einer wissenschaftli­chen Parapsychologie zusteht.“[5]Als Sonderfall sei noch die Vermutung erwähnt, die Seherin habe an einem Lymphom oder einer Leukämie gelitten.[6]

Die Tiefenpsychologie bzw. Psychoanalyse haben sich nur vereinzelt und recht bruchstückhaft mit der „Seherin“ befaßt. Während sich Freud gänzlich über Kerner ausschwieg, setzte sich C. G. Jung bereits in seiner Dissertation bei Eugen Bleuler intensiv mit den Phänomenen des Somnambulismus auseinander, und erwähnte auch mehrfach die Kerners „Seherin von Prevorst“, ohne jedoch tiefer in die Krankengeschichte einzudringen.[7] Auch in späterer Zeit äußerte er sich mit Respekt über den „ver­dienstvollen Justinus Kerner und seine Seherin von Prevorst“.[8] Einzig der Psychoanalytiker Herbert Silberer ging näher auf die Welt der Seherin ein und interpre­tierte sie als ein Beispiel für eine „seherische Entrückung“, „die bildlich empfunden werden und somit Gegenstand einer funktionalen Schwel­lensymbolik werden kann“.[9] Er deutete die von der Seherin gezeichne­ten Kreise als halluzinatorisch erlebte Symbole, ohne näher auf die Krankengeschichte einzugehen. Eine Auseinandersetzung der Psycho­analyse mit dieser Geschichte steht meines Wissens nach wie vor aus und auch die pathographische Studie des niederländischen Hermetismus-Forschers Wouter Hanegraaff blieb letztlich im Referieren von Kerners Krankengeschichte stecken.[10]

Der „Nervenstimmer“ war als Produkt der somnambulen Offenbarung ein Apparat zur Selbstbehandlung. Im Folgenden wollen wir weitere Phänomene herausstellen, die um das Problem der Arzt-Patien­ten-Beziehung kreisen. Insbesondere interessieren hier die Vorstellun­gen von einer Selbstheilungskraft im Organismus, die selbsttherapeuti­schen Praktiken und die Heilversuche an anderen. Das „magnetische Leben“ der Seherin wurde von Kerner als ein gegenläufiger Prozeß charakterisiert: einerseits als ein „Zurückziehen ins Innere“, andererseits als eine Entbindung des „Nervengeistes“ im „äußeren Nervensystem“. Je tiefer die Somnambule ins Innere ihrer „magnetischen Kreise“ vordrang, so Kerner, umso stärker verband sich ihr „Nervengeist“ mit der gesamten Natur, der Körper- und der Geisterwelt. Diese gegenläufige Exkursionsbewegung läßt sich an folgenden Zitaten ablesen: Zum einen werde im magnetischen Leben „der Nervengeist leicht entbunden, und alle Eigenschaften und Kräfte, die in den Natursubstanzen liegen und dem im wachen Leben gebundenen Nervengeiste unfühlbar bleiben, werden nun dem frei gewordenen Nervengeiste im Augenblick offenbar und bringen Erschütterungen im Nervensystem hervor, die den ihnen innewohnenden Eigenschaften entsprechen.“[11] Zum anderen: „Schleier und Scheidewand, die im gewöhnlichen Leben zwischen uns und der Welt der Geister stehen, sind jenem [magnetischen Men­schen] schon mehr oder weniger niedergefallen, die Isolierung ist mehr oder weniger aufgehoben. […] Und so siehst du [der Leser] den magnetischen Menschen, während er noch immer an den Körper und somit an die Welt der Sinne gebunden ist, mit verlängerten Fühlsfäden hinaus in eine Welt der Geister ragen und von dieser dir ein Zeuge sein.“[12]

Das „Hereinragen einer Geisterwelt in die unsere“, wie der der zweite Band der „Seherin von Prevorst“ im Untertitel anzeigt, wurde zum Stein des Anstoßes, während die Dimension der sympathetischen Wechselwirkung mit der inneren und äußeren Natur, wie sie im ersten Band dargelegt wurde, sogar von einem vehementen Kritiker wie dem Psychiater Ernst Albert Zeller anerkannt worden war.[13] Wie systematisch Kerner selbst diese beiden Dimensionen auseinander­hielt, dokumentiert die entsprechende Aufteilung der Krankenge­schichte in zwei Bände.

Alle Heilungsvorgänge wurden von der soeben skizzierten gegenläufigen Bewegung abgeleitet, wobei es in der Tat schwerfällt, eine Grenze zwischen Kerners Aussagen und denen der Seherin zu ziehen.[14] Im Kapitel „Krankheit und Heilbestrebungen im Innern“ wurde die Selbstheilungs­tendenz der Kranken hervorgehoben: der „innere Arzt“, der aus der Seherin spricht, das „Bestreben der Naturheilkraft“. Die Erklärung ihrer Krankheit erinnert an Reils Lehre von der „Lebenskraft“: Durch das Zurückziehen ins Innere „mußte sich aber nothwendig eine Unord­nung im Nervensysteme erzeugen und eine Armuth an organischer Kraft, welche Kraft sich durch stärkern Verbrauch im Gefühlsleben verminderte, was nun die eigentliche Krankheit der Frau H. war.“[15] Alle Heilversuche dieser Kranken, so Kerner, zielten darauf ab, „Binde­mittel des so lose gewordenen Nervengeistes“ zu finden und Lebens­stoff aus den Dingen an sich zu ziehen. Dieser Vorgang erinnert uns an Vampiris­mus, der in Anlehnung an Reichenbachs Lehre vom „Od“ (Kap. 28), die in der Mitte des 19. Jahrhunderts Aufsehen erregte, gelegentlich auch „Od-Vampirismus“ genannt wurde (siehe unten). So bemerkte Kerner in diesem Kontext: „Hauptsächlich sog sie [den ‚Nervengeist’] aus Augen und Fingerspitzen anderer stärkerer Menschen, von diesen oft nicht gefühlt, auch oft sehr gefühlt, ein Pabulum vitae [Lebensmittel] in sich. Gleiches erhielt sie durch magnetisches Einwirken, Handauflegen, wirkliches Magnetisieren u.s.w.“ In launigen Bemerkungen erinnerte sich Jahrzehnte später Sohn Theobald an die Seherin, die er als Junge im Auftrag seines Vaters mitzubetreuen hatte: „Ich mußte mich ruhig an ihr Bett setzen, sie ergriff fest meine Hand, und ich mußte unbewegt ausharren, bis sie das [vom Vater] mir anvertraute Fluidum aufgesogen hatte, ihre Augen sich schlossen, ihre Hände sich lockerten; dann stand ich leise auf, schlüpfte zur Tür hinaus und ließ mich womöglich den ganzen Tag nicht mehr bei der an meiner Nervenkraft saugenden Spinne sehen.”[16]

Der deutsche Okkultist und Erforscher der Runen-Magie Karl Spiesberger, der die esoterischen und magischen Momente in der “Seherin von Prevorst” analysierte, sah in der geheimwissenschaftlichen Literatur Hinweise auf “sogenannte Od-Vampire”, also Menschen, die “ihrer Umwelt systematisch Od entziehen. So ein ‘Od-Vampir’ – freilich nicht in vorgenanntem, schwarzmagischen Sinne – war auch unsere Seherin. ” [17] Um ihren „Nervengeist“ fester an die Nerven zu binden und diese neu aufzuladen, habe sie kräftigen, „ihr sympathisch gesinnten Menschen odische Fluidalstoffe“ entzogen, insbesondere aus Augen und Fingerspitzen, durchaus fühlbar für Betroffene wie den jungen Theobald Kerner. Spiesberger merkte hierzu an, dass es „genug analoge Fälle in unserer Zeit“ gebe und verwies auf einen „Beweis“ aus seinem „Forschungszirkel“: „Eine Sensitive, von Beruf Masseurin, fühlte sich abend völlig entkräftet. In meiner Nähe sitzend, merkte sie, wie ihr regelmäßig Kraft zuströmte.“ Spiesberger meinte, diesen „unbeabsichtigen Od-Vampirismus“ experimentell nachgewiesen zu haben. Als er nämlich einmal eine „stark Sensitive“ magnetisierte und die besagte „Masseurin“ neben ihm saß, habe Erstere keine magnetische Einwirkung verspürt. Seine Erklärung war einfach: „Mein od-magnetisches Fluid strömte auf die mich vampirisierende Sitznachbarin über […]. Ich bat sie zur Seite zu gehen – und sofort empfanden wir – die Behandelte und ich – das Überfließen des magnetischen Stromes.“[18] Nahm sie ihren alten Platz ein, wiederholte sich das Spiel. Auch die seit den 1920er Jahren berühmt gewordene Stigmatisierte „Therese von Konnersreuth“ wurde von Spiesberger den „Odvampiren“ zugeordnet, deren jahrelange angebliche Nahrungslosigkeit von manchen mit „dieser fludialen Kraftzufuhr aus dem Organismus der Besucher“ erklärt worden sei.

Im Grunde lief das Magnetisieren der Seherin durch Justinus Kerner und seine Familienangehörigen auf ein Selbstmagnetisieren hinaus, denn diese verordnete sich in der Regel selbst Art, Umfang und Zeitpunkt der „magnetischen Manipulationen“.[19] Später wurde sie so magnetisiert, wie es ihr „Schutzgeist“ vorexerziert hatte. Die Botschaft der verstorbenen Großmutter lautete dabei: „Also wie du hier magnetisiert wurdest, soll dich dein Arzt ferner magnetisieren.“[20]Wenn nun die Seherin angab, sie fühle im magnetischen Zustand ein „Denken auf der Herzgrube“, „als schlafe ihr Gehirn ein“, so lehnte sie sich auch hier an die medizinisch verbreitete Vorstellung von einer Polarität zwischen Gehirn und „Herzgrube“ – Cerebral- und Gangliensystem – an.[21] Das Selbstheilungsbestre­ben zielte wie Mesmers Kur darauf ab, durch heftige Krämpfe eine „wohlthätige Krise“ auszulösen.[22] Das „Hauptbestreben des Innern“ wurde von der Seherin auf die angestrebte Krise hingelenkt, indem sie sich selbst durch den „Nervenstimmer“ magnetisierte, um den richtigen „Rhythmus“ in den magne­tischen Krämpfen zu erreichen. Im Allgemeinen wurden diese durch Handauflegen von Kerner oder dessen Frau, manchmal aber auch von Sohn Theobald, in ihrer Abwesenheit ersatzweise durch ein „magnetisirtes Tuch oder durch magnetisirten Schwamm“ gestillt, oder auch durch einen „Ton mit einer Mundharmo­nika“ (Maultrommel).[23]

Die angegriffene Gesundheit der Friederike Hauffe habe nur wenige Heilversuche an anderen zugelassen, bemerkte Kerner. Wie die Erfahrung gelehrt habe, seien die Heilmittel der Seherin auf einen „gleichen somnambulen Zustand“ berechnet gewesen: „Nur in solchen Zustän­den des entbundenen Nervengeistes, im magnetischen Leben, kann das einfachste Mittel die ihm eingepflanzte Eigenschaft äußern und Wun­der wirken.“ „Fester Glaube“ sei dafür Bedingung.[24] Im Schlafwachen „erfühlte“ die Seherin nun bestimmte Heilmittel, insbesondere das Johanniskraut, die sie als Amulett oder Aufguss sich selbst verordnete oder anderen Kranken empfahl. So konnte sie angeblich einen jungen Mann, „der zur Melancholie geneigt war“, mit Johannis­kraut heilen. Gewöhnlich aber benutzte sie bei ihren Amuletten das geschriebene Wort, „hauptsächlich in ihrer Sprache des Innern.“[25] Dabei gebrauchte sie bestimmte Formeln in ihrer „inneren Schrift“. Die medi­zinische Annahme einer Polarität zwischen Gehirn und „Herzgrube“ (Cerebral- und Gangliensystem) schlug sich auch in der Anwendungs­form dieser Amulette nieder. Ging die Krankheit vom Gehirn und Rückenmark aus, ließ die Seherin das Amulett auf dem Rücken, ging sie „mehr vom sympathischen Systeme“ aus, ließ sie es auf der „Herz­grube“ (Oberbauch) anbringen.[26]

Darüberhinaus konnte die Seherin die Krankheitsgefühle anderer Menschen mitfühlen, also am eigenen Leibe eine intuitive Diagnose bei anderen stellen: „Das Physische ging auf ihren Leib, das Psychische auf ihre Seele über.“ Auch diese Fähigkeit wurde auf den „so lose geworde­nen Nervengeist“ der Seherin zurückgeführt.[27] So berührte sie angeblich den Unterleib einer Frau, die – ohne Wissen der Seherin – an einem Bandwurm litt. Sie fühlte dann „von ihrer Hand aus durch den Arm in den Magen und von da in den Bauch eine sonderbare […] widrige Empfindung strömen“.[28] Das größte Aufsehen erregte jedoch die Fernheilung der Gräfin von Maldeghem, die der Psychoanalytiker Herbert Silberer als „Energiekur“ im Sinne einer gelungenen analytischen Psychotherapie bezeichnete.[29] Diese von Kerner mitgeteilte Heilung soll etwas genauer beleuchtet werden.

Am 28. März 1828 kam der Ehemann der kranken Gräfin zum ersten Male zu Kerner und überbrachte ihm die vom behandelnden Arzt aufgezeichnete Kranken­geschichte seiner Frau. Dieser Bericht wurde dann durch die mündli­chen Mitteilungen des Grafen ergänzt. Der Gemütszustand der Gräfin wurde als ein wachendes Traumleben“ beschrieben, das um drei „fixe Ideen“ kreise: (a) Zweifel an der Persönlichkeit ihres Mannes und ihrer Kinder, die ihr nur als Abbilder der Wirklichkeit erschienen; (b) Erwar­tung und „heiße Sehnsucht“ nach einer Umwandlung ihres Wesens mit Hilfe ihres Mannes; und (c) Erwartung einer überirdischen Erscheinung, durch welche diese „Verwandlung“ bewirkt werden könne.[30] Für Kerner schien das Leiden der Gräfin „zwischen magnetischem Traumzustand und Manie zu stehen“, die Seherin glaubte ihrerseits die Gräfin „mehr in einem regellosen magnetischen Zustand als in wirkli­chem Wahnsinn befangen“.[31] Sie verordnete ihr täglich ein Amulett mit dreimal drei Lorbeerblättern, dreimal drei Eßlöffel „Johannisthee“ und dreimaliges Magnetisieren durch den Grafen. Insgesamt sollte die Behandlung neun Tage dauern. Der Graf sollte erstmals um neun Uhr morgens magnetisieren: „Um dieselbe Minute, wo du ihr die Hände auflegst, schlafe ich hier ein […] – ich bete für sie.“ Am sechsten Tage der Behandlung sah die Seherin einen Lichtstrahl und spürte, daß eine Veränderung mit der Kranken vorgegangen sein müsse.

Später stellte sich heraus, daß die weit entfernt wohnende Gräfin zum selben Zeitpunkt „aufs Innigste“ an die Seherin habe denken müssen und von da an „wie gezwungen“ gewesen sei, „dem Grafen zu sagen, was sie eigentlich in diesen Zustand gebracht, was sie noch keiner Seele gesagt und was auch dem Grafen unbekannt war“.[32] Wir erfahren ihr Geheimnis nicht, aber nach ihrer Beichte kehrte sie allmäh­lich aus ihrer Traumwelt in die Wirklichkeit zurück. Sie besuchte häufig die Seherin in Weinsberg und wurde von dieser gleichsam nachbehan­delt. Die Seherin betete mit der Gräfin sieben Tage lang, während ihre weiteren Verordnungen (Magnetisieren, Amulett, Tee) pünktlich befolgt wurden. Schließlich war „auch die letzte Wolke in ihr“ ver­schwunden, und die Gräfin war völlig genesen: „wie durch einen Zauberschlag“.[33]

In dieser Episode können wir alle Elemente der somnambulen „Heil­kunde“ auffinden, die man heute als „mediales“ oder „geistiges Heilen“ bezeichnen würde: das intuitive Erfassen der Krankheit (Diagnose), die somnambule Verordnung (die Anweisung des „inneren Arztes“), die sympathetische Fernwirkung (Fernheilung) und die unmittelbare Kur im Sinne einer „Geistheilung“ durch gemeinsame Gebete und be­stimmte Manipulationen. Als psychotherapeutische Momente sind hier der Zwang zur kathartischen Aussprache der Gräfin und das Ertragenler­nen peinlicher Gedanken, als paramedizinische Momente die Fernheilung und die magnetische Kur, und als religiöse Momente das Beten und die Glaubensstärkung zu nennen. Die Vorstellung einer sympathetischen Ein­wirkung durch bestimmte Gegenstände (z. B. Amulette) oder durch das gesprochene oder gedachte Wort (z. B. Gebete), insbesondere über eine größere Entfernung hinweg, war schon zu Kerners Zeit recht umstrit­ten und wurde zunächst von der naturwissenschaftlichen Medizin, später aber auch von der aufkommenden medizinischen Psychologie und Psychotherapie abgelehnt. Im Kontext von New Age und „Alternativmedizin“ im ausgehenden 20. Jahrhundert wurde das Interesse an „Geistheilung“ (spiritual healing) bzw. „Fernheilung“ (distant healing) erneut geweckt, insbesondere durch das Autreteten charismatischer Heiler wie Harry Edwards in England.[34] Die „Seherin von Prevorst“ wurde 1845 ins Englische übersetzt und faszinierte natürlich Spiritisten im angelsächsischen Sprachraum – offenbar bis in unsere Zeit.[35] Erst kürzlich widmete ihr ein US-amerikanischer Spiritismusforscher eine Monographie. [36] Er stellte die Person der „Seherin“ als leuchtendes Beispiel für die Offenbarungen von spiritistischen Medien dar und ordnete sie als positiven Meilenstein in die Geschichte des Spiritismus und Okkultismus ein. Ein gewisser Martin W. Stuart, ehemaliger Professor für Musikwissenschaft am Grossmont College, San Diego, pries dieses Buch sogar auf der Schmutztitelseite als „a spiritual eye-opener to many, many people“. Es ist allerdings fraglich, ob man daraus schon auf eine Renaissance der „Seherin von Prevorst“ in den USA schließen kann.


[1] Glaus, 1957, S. 87. [2] Baerwald, 1925, S. 29. [3] E. A. Zeller, 1830, S. 159. [4] A. a. O., S. 155. [5] Bodamer, 1958, S. 17 f. [6] Brugsch, 1964, S. 730. [7] Jung [1902], 1971. S. 30, 38 f. 49. [8] Jung [1921/1950], 1960, S. 591 f. [9] Zit. n. Schott, 1986 [b], S. 89; Silberer,  1912, S. 653. [10] Hanegraaff, 1999/2000. [11] J. Kerner [1829], 1974, 4. Teil, S. 63. [12] J. Kerner [1829], 1974, 5. Teil, S. 16. [13] E. A. Zeller, 1830. [14] Jennings, 1966, S. 81. [15] Kerner, 1829, 1. Theil, S. 181. [16] T. Kerner, 1894, S. 94. [17] Spiesberger, 1953, S. 64. [18] A. a. O., S. 65. [19] J. Kerner, 1829, 1. Theil, S. 181. [20] J. Kerner [1829], 1974, 4. Teil,  S. 122. [21] J. Kerner, 1829, 1. Theil, S. 182 f. [22] Mesmer, 1814, S. 119. [23] J. Kerner, 1829, 1. Theil, S. 186. [24] A. a. O., S. 193 f. [25] A. a. O., S. 177 f. [26] A. a. O., S. 180. [27] A. a. O., S. 195. [28] A. a. O., S. 196. [29] Silberer, 1911. [30] J. Kerner, 1829, 1. Theil, S. 199. [31] A. a. O., S. 201 f. [32] A. a. O., S. 203 f. [33] A. a. O., S. 207. [34]  Edwards, 1960. [35] J. Kerner [1829], 1845. [36] DeSalvo, 2008.