# 25. Kap. Somnambulismus, Traum , Ekstase: Sprache der verborgenen Natur

Im Jahr 1808 veröffentlichte der deutsche Arzt und Naturphilosoph Gotthilf Heinrich Schubert eine programmatische Schrift, die starken Widerhall fand: „Ansichten von der Nachtseite der Naturwissenschaft“. Sie war durch und durch vom Mesmerismus imprägniert. Die „Nachtseite“ versprach einen neuen Zugang zur Natur und die zeitgenössischen Forschungen neue Erkenntnisse über ihre „Magie“. Deshalb rückten Phänomene in den Vordergrund, die mit der Nacht assoziiert waren: Schlaf, Traum und Somnambulismus. Dabei waren nicht diese Zustände als solche von Interesse, sondern die mit ihnen einhergehenden Wahrnehmungen, Empfindungen, Visionen – also das, was in der Finsternis der Nacht spürbar, sichtbar, hörbar wird. Hier, so glaubte man, würde die am Tage verborgene, geheime Natur hervortreten und fassbar werden. Wenn der Tageslärm verstummt und das helle Tageslicht dem nächtlichen Dunkel gewichen ist, könnten überhaupt erst die feinen Mitteilungen der Natur wahrgenommen werden. Hierfür war der Schlaf eine Voraussetzung, allerdings nicht der bewusstlose Tiefschlaf, sondern der spontane Traumschlaf oder künstlich herbeigeführte magnetische Schlaf. Der Mesmerismus bot den Naturforschern und Ärzten jener Zeit eine zuverlässige Methode an, den magnetischen Schlaf nicht nur bei Patienten, sondern auch bei Versuchspersonen experimentell zu induzieren, was in der damaligen Praxis oft zusammenfiel. Wahrscheinlich wurde in der Medizin die „Magie der Natur“ niemals intensiver und ernsthafter erforscht, als im romantisch-mesmeristischen Milieu des frühen 19. Jahrhunderts.          

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