# 26. Kap. Somnambule „Seherinnen“: Medien der Naturoffenbarung

Magie der Natur betraf aus Sicht der romantisch inspirierten Ärzte vor allem die innere Natur des Menschen, die sie sich vor allem durch somnambule Kranke oder überhaupt durch Menschen in verändertem Bewusstseinszustand äußern konnte. Deshalb war der Somanmbulismus, ob „künstlich“ durch den Magnetismus hervorgerufen oder „sponantan“ auftretend, ein Gegenstand der Forschung und Hebel der Therapie. Die Somnambulen wurden als Vermittler der verborgenen göttlichen Natur und damit als eine Art religiöse Propheten verstanden. Von daher rührte die Verehrung mancher Ärzte für ihre Patienten und insbesondere Patientinnen. Wir wollen uns in diesem Kapitel der wohl berühmtesten Krankengeschichte aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zuwenden, der „Seherin von Prevorst“, die der schwäbische Oberamtsarzt und romantische Dichter Justinus Kerner verfasste. Magie der Natur erschien im Sinne des romantisch gewendeten Mesmerismus als mitgeteiltes Erleben einer schwer kranken Patientin, die von ihrem Arzt fast wie eine Heilige behandelt wurde. Justinus Kerner verehrte den Begründer des animalischen Magnetismus zutiefst, dem er persönlich allerdings nie begegnet war. Jahrzehnte nach dessen Tod überführte er die wenigen Nachlassstücke von Meersburg nach Weinsberg, wo sie sich heute noch im Kernerhaus befinden, und verfasste die erste Mesmer-Biographie.[1]


[1] J. Kerner, 1856.

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