# 28. Kap. Fluidum: Zur Licht- und Strahlenmetaphorik

Der Mesmerismus offenbarte eine reichhaltige Licht- und Strahlenphänomenologie. Dabei griff er auf Wahrnehmungen und Bilder zurück, wie sie von Mystik und magianaturalis überliefert worden waren. Diese waren für die Ärzte und Naturforscher seinerzeit sowohl von praktischem als auch von theoretischem Interesse. So konnten Lichtstrahlen, die von bestimmten Körperorganen – vor allem Augen, Handflächen, Fingerspitzen – austraten, offensichtlich von vielen Menschen direkt gesehen werden. Ihre magische Kraft sollte sich vor allem in ihrer Fernwirkung zeigen. Das visualisierte Fluidum imponierte sinnlich als Heilkraft der Natur, die ja traditionell schon immer mit Lichtstrahlen, vor allem Sonnenstrahlen, veranschaulicht worden war. Es erschien als wunderbare Naturmacht, als eine „lebendige Schwerkraft“ (gravitas animalis), wie sie Mesmer bereits lange vor Etablierung des animalischen Magnetismus in seiner Dissertation bezeichnet hatte (Kap. 22). Die Visualisierung der Naturheilkraft als strahlendes Leuchten hatte in Mesmerismus und romantischer Naturphilosophie um 1800 Konjunktur. Aber auch nach deren Hochzeit im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts wurden immer wieder entsprechende Phänomene beobachtet und beschrieben. Dass das Licht als Metapher der Wahrheit für die philosophische Metaphorologie im Sinne von Hans Blumenberg bedeutsam ist, sei hier nur am Rande erwähnt.[1] Betrachten wir nun im Folgenden den überaus schillernden Begriff „Fluidum“. Er hängt sprachlich mit den deutschen Termini „Flut“ und „Fluss“ sowie dem lateinischen Wort „effluvium“ (Plural: effluvia) zusammen, das in der magia naturalis zur Erklärung magischer Fernwirkungen herangezogen wurde (Kap. 32).


[1] Blumenberg, 2001.

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