# 29. Kap. Göttliches Licht: Im Spiegel der Natur

Die in Renaissance und früher Neuzeit unter dem Verzeichen des Neuplatonismus aufblühende Naturphilosophie setzte Gott keineswegs mit der Natur gleich. Insofern huldigte sie keinem Pantheismus. Eher könnte man von einem theologischen Naturalismus sprechen: Die Natur erschien als Sprachrohr und Ableiter göttlicher Botschaften und Kräfte. Die Hierarchie von oben nach unten: Gott – Natur – Mensch war grundsätzlich vorgegeben und diente als Handlungsanweisung für den Menschen: Er sollte von der Erde über die Naturforschung zur göttlichen Weisheit, zur ewigen Lichtquelle, aufsteigen. So ist es nicht verwunderlich, dass die Metapher der Himmels- oder Jakobsleiter, eine überaus wichtige Rolle spielte. Sie sollte den zielgerichteten Aufstieg durch Erziehung und Selbsterziehung und damit die Befreiung von irdischer Not und tierischen Zwängen symbolisieren. Der Aufstieg auf dieser kosmischen Leiter bezeichnete zugleich den Weg zu einer unio mystica, die durch die rechte Art der Naturforschung errreicht werden sollte. Die rechte Art der Naturforschung bedeutete, die Natur als Lehrmeisterin ernst zu nehmen und ihr auf ihrem Wege folgen. So stoßen wir hier auf eine weitere Metapher, welche für den naturforschenden („curiösen“) Menschen verbindlich war: die Natur als Lehrerin, Führerin, Meisterin. Doch die göttliche Lichtquelle wurde nicht immer durch die Natur weitergeleitet, gewissermaßen durch dieses Medium heruntergebrochen, sie konnte auch direkt aufscheinen, unmittelbar vor die Augen des Menschen treten und ihn ergreifen und blenden, wie dies durch das Hauptgestirn, die Sonne, geschah.

Ergänzung vom 26.08.2014:

Novalis sprach von einem „Mittelglied“ oder „Mittler“, der für den Menschen notwendig sei, um in Verbindung mit Gott zu treten. Er knüpfte also an diese Idee der frühneuzeitliche Naturphilosophie an. Ausführlich mit Zitaten belegt im Supplementary News Blog:

http://heinzgustavdotcom2.wordpress.com/2014/08/26/novalis-uber-das-mittelglied-den-mittler-zwischen-gott-und-mensch/

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