# 30. Kap. Finstere Schatten: Dämonische Gegenwelt

Insofern Natura als Medium göttlicher Offenbarung erschien, verkörperte sie das Heil schlechthin: Heilkraft und Lebensquelle für alle Kreaturen und vor allem für den Menschen. Andererseits gab es Lehren vom Bösen, die ihren Ursprung in Manichäismus und Gnosis hatten, welche die materielle Welt durchweg als Ort des Bösen verteufelten (Kap. 9). Die Naturdinge waren in dieser Sicht schon per se vom Bösen tingiert, sozusagen durchstrahlt vom Teufel und seiner Macht. Die Magia naturalis in Renaissance und früher Neuzeit depotenzierte das Reich des Bösen: Es war zwar gemäß der Dämonologie allgegenwärtig, hatte aber keine Allmacht mehr. Man konnte sich vor ihm schützen und im Falle eines Übergriffs gab es Möglichkeiten, die böse Macht zu bekämpfen und aus dem Lebensbereich des Menschen zu verbannen. Magische und religiöse Rituale, bei denen Amulette und Exorzismus eingesetzt wurden, zeigen diese besondere Art der Heilkunst. Schwarze Magie dagegen verbündete sich mit der finsteren, bösen Natur und verwandelte Gutes in Böses. „Weh denen, die das Böse gut und das Gute böse nennen, / die die Finsternis zum Licht und das Licht zur Finsternis machen, / die das Bittere süß und das Süße bitter machen.“ [1] Der biblische Ausspruch trifft den Kern dessen, was als Schwarze Magie bezeichnet werden kann. Diese bestand in einer Verkehrung von Licht und Finsternis, gut und böse. Finsternis zu Licht machen bedeutete, krankmachende, „dunkle“ Strahlen des Bösen auszusenden. In der Medizingeschichte, vor allem in der Tradition der Popularmedizin, spielte die Schwarze Magie als Schadenszauber (maleficium) eine große Rolle: das Anhexen von Krankheit, Leiden und Tod. Die Bezeichnung „schwarz“ verweist auf die böse Quelle, auf „des Pudels Kern, von dem in Goethes „Faust“ die Rede ist  


[1] Jesaja 5,20; http://alt.bibelwerk.de/bibel/ (4.03.2008)

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