Magia naturalis – Die Natur als Magierin [Überschrift und Motto für Kap. 29-35]

Es sind also […] die Physik, die Mathematik und die Theologie die drei mächtigsten Zweige der Gelehrsamkeit, welche die Magie umfaßt, miteinander verbindet und in Ausübung bringt, weshalb dieselbe von den Alten mit Recht für die höchste und heiligste Wissenschaft gehalten wurde.

Agrippa von Nettesheim: De occulta philosophia (1533)[1]

 

Großen Dank verdient die Natur, daß sie in die Existenz eines jeden lebendigen Wesens auch so viel Heilungskraft gelegt hat, daß es sich, wenn es an dem einen oder dem andern Ende zerrissen wird, selbst wieder zusammenflicken kann; und was sind die tausendfältigen Religionen anders als tausendfache Äußerungen dieser Heilungskraft.

Goethe an Johann Kaspar Lavater, Weimar, 4. October 1782[2]

 

„Magie (die curiöse) ist diejenige Art der erlaubten natürlichen Magie, welche zwar nicht unmittelbar das Wohl der Menschen befördert, aber doch durch die Wunderungs-vollen Kräffte der natürlichen Körper die Gemüter der Menschen belustiget und ihnen dadurch Gelegenheit bietet, den Allerhöchsten bey solchen sonderbaren Kräfften der natürlichen Dinge zu bewundern […].“

Magie (die natürliche), Magia naturalis, bestehet in einer Geschicklichkeit, vermittelst natürlicher, aber dabey verborgener Kräffte und Ursachen seltsame und ungewöhnliche Würckungen hervor zu bringen. Anders: Sie ist die geheime und verborgene Natur-Lehre oder Physick, so sich keinesweges auf bloß lediglich speculativische, sondern auf pur practische Dinge erstrecket.“

Johann Heinrich Zedler: Universallexicon (1739)[3]



[1] Zit. n. Daxelmüller, 2001, S. 219. [2] Lautenbach, 2004, S. 740. [3] Zedler, 1732-1754, Bd. 19 (1739), Sp. 298 bzw. 300 f.

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