Natura – Pendant zu Maria [Überschrift und Motto für Kap. 36-42]

Was ich indessen dem heiligen Antonius und dem heiligen Ignatius nicht zutraue, das traue ich doch der Madonna zu: daß sie auch uns Heiden verstehe und gelten lasse. Ich erlaube mir mit der Madonna einen eigenen Kult und eine eigene Mythologie, sie ist im Tempel meiner Frömmigkeit neben der Venus und neben dem Krischna aufgestellt; aber als Symbol der Seele, als Gleichnis für den lebendigen, erlösenden Lichtschein, der zwischen den Polen der Welt, zwischen Natur und Geist, hin und wider schwebt und das Licht der Liebe entzündet, ist die Mutter Gottes mir die heiligste Gestalt aller Religionen

Hermann Hesse: Madonnenfest im Tessin (1924)[1]

 

Methode zum Verständnis der Bilder, der Symbole usw. Nicht versuchen, sie auszudeuten, sondern sie so lange zu betrachten, bis das Licht herausbricht.

Simone Weil (niedergeschrieben vor dem Mai 1942)[2]

 

Man darff den Teuffel nicht uber die thür malen / er findet sich wol selbs.

Martin Luther, Ein Sendtbrieff […] 1530[3]

 

 



[1] Hesse [1924], 1926, S. 231; Kuschel, K.-J. (Hg.), 1990, S. 87 f.. [2] Weil, 1952, S. 215. [3] Luther, 1530, S. Ciij.

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