# 41. Kap. Matrix: Mütterliche Natur, himmlischer Geist

Natura als schöpferische Kraft wurde, wie wir gesehen haben, vor allem als weise Frau und nährende Mutter und in letzter Konsequenz als Gebärmutter oder matrix vorgestellt. Es sei daran erinnert, dass in der deutschsprachigen medizinischen Literatur noch im 18. Jahrhundert „Mutter“ ein Synonym für „Gebärmutter“ war und man dem entsprechend von „Mutterkrankheiten“ sprach. Selbst noch im frühen 19. Jahrhundert galt die „Hysterie“ als „Mutterkrankheit, Mutterplage, Mutterbeschwerde“.[1] Bei Paracelus und Jakob Böhme begegnet uns häufig der Terminus „matrix“. Bei beiden schlägt er eine begriffliche Brücke zu Maria, der Mutter Gottes, die dem Heiligen Geist als matrix diente. Diese ist primär ein Organ der Empfängis, der Befruchtung. Je nach der Qualität der Macht, die die matrix befruchtet, trägt sie gute oder schlechte Früchte. Die Empfängnis, aus dem alles Leben hervorgeht, erschien den frühneuzeitlichen Gelehrten als ein Mysterium und Mariä Empfängnis als das größte von ihnen. Wie konnte die Mutter Gottes zugleich seine matrix sein? Wir werden bei Paracelsus und bei Jakob Böhme sehen, wie der Begriff der matrix kosmische Dimensionen und vor allem eine Verknüpfung von göttlichem mit natürlichem Handeln implizierte. Die Magie der Natur erwies sich hier als das Mysterium der matrix. Ein solches Ineinandergehen von naturphilosophischen und theologischen Vorstellungen bedeutete für moderne Interpreten wohl eine Zumutung, der sie aus dem Wege gehen wollten, indem sie beide Dimensionen zu trennen versuchten. Besonders deutlich hat sich dies in der Paracelsus-Rezeption des 20. Jahrhunderts niedergeschlagen, die, wie wir sehen werden, von Karl Sudhoffs editorischer Zweiteilung des paracelsischen Werks in eine medizinisch-naturphilosophische


[1] Siebold, 1821, S. 417.

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