Eros – Liebeszauber zwischen Sex und Mystik [Überschrift und Motto für Kap. 43-49]

Mir nämlich scheinen die Menschen die Macht des Eros durchaus nicht erkannt zu haben; denn hätten sie das, so würden sie ihm wohl die größten Tempel und Altäre errichten und ihm die reichlichsten Opfer darbringen, während jetzt nichts von dem allen ihm widerfährt, was doch vor allem andern geschehen sollte. Denn er ist der menschenfreundlichste von den Göttern, indem er den Menschen ein Helfer und ein Arzt für diejenigen Übel ist, deren Heilung dem Menschengeschlechte die größte Glückseligkeit gewähren dürfte.

Platon: Symposion (um 380 v. Chr.) [1]

Anmerkung in den „Supplementary News“: Eros bei Platon – Rede der Diotima

Anmerkung in den „Supplementary News“: Eros bei Platon – Rede des Aristophanes

Querverweis auf meinen Beitrag zum Film „Ein Augenblick Liebe“ (2014) im Magic Mirror Blog.

Vinculum quippe vinculorum amor est – Die Liebe nämlich ist die höchste aller Bannkräfte.

Giordano Bruno: De vinculis in genere (um 1590)[2]

 

 

In den Augen Platos ist die fleischliche Liebe ein degradiertes Bild der wahrhaften Liebe. Die keusche menschliche Liebe [eheliche Treue] ist ein minder degradiertes Bild. Auf die Idee der Sublimierung konnte nur die Dummheit unserer Zeit verfallen. […]

Reine Liebe zu den Geschöpfen: nicht Liebe in Gott, sondern Liebe, die durch Gott hindurchgegangen ist wie durch das Feuer. Liebe, die sich von den Geschöpfen gänzlich ablöst, um zu Gott aufzusteigen und die von Gott in Gemeinschaft mit seiner schöpferischen Liebe wieder herabsteigt.

So vereinigen sich die beiden Gegensätze, welche die menschliche Liebe zerreißen: das geliebte Wesen lieben, wie es ist, und es abermals erschaffen wollen.

Simone Weil (niedergeschrieben vor dem Mai 1942)[3]

Anmerkung vom 9.04.2016

Dieser Abschnit (Kapitel 43-49) bildet die Grundlage für „Himmel oder Hölle: Ein Essay über die Sexualität“, den ich vorab in Form eines Blogs veröffentliche. Ich hoffe, dass eine gedruckte Ausgabe dieser Abhandlung von einem Publikumsverlag veröffentlicht werden wird.


[1] Platon, SW, Bd. 1. [1940], S. 681. [2] Bruno [um 1590], 1962 [b], S. 697; Bruno [um 1590] 1999, S. 133. [3] Weil, 1952, S. 139 bzw. 141.

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