45. Kap./2 * Sulamith, Sophia und die Brautmystik

Das Hohelied Salomos, der Gesang der Gesänge (Canticus canticorum), ist ein vieldeutiger Lehrtext im  Alten Textament, der wegen seiner erotischen Fülle im Laufe der Zeiten bis zum heutigen Tag recht unterschiedliche Interpretationen erfahren hat. So wurde er auch von Giordano Bruno beachtet (Kap. 46). Es handelt sich um Liebeslieder, Wechselgesänge von Braut und Bräutigam, wobei die Braut noch stärker als der Bräutigam zu Wort kommt, nach folgendem Musterbeispiel in der Übersetzung von Martin Buber:

– Da, schön bist du, meine Freundin,
da, schön bist du, deine Augen sind Tauben.

– Da, schön bist du, mein Minner, gar hold,
– Frisch gar ist unser Bett,
das Gebälk unsres Hauses sind Zedern,
unsre Sparren sind Wacholder.[1]

Die sinnliche Erotik ist ein hervorstechendes Merkmal des Hohelieds.[2] Im Allgemeinen wurde sie als symbolische Darstellung der mystischen Liebesvereinigung von Göttlichem und Menschlichem interpretiert: In jüdischer Tradition wurde der Bräutigam mit Gott und die Braut mit dem Volk Israel identifiziert, in christlicher Überlieferung erschien zumeist Christus als Bräutigam und die Kirche, die Einzelseele oder auch Maria als Braut.[3] In einer Reihe von Blockbüchern aus dem 15. Jahrhundert wird der liebevolle Umgang von Bräutigam und Braut in einzelnen Szenen dargestellt, wie beispielsweise in einem Blockbuch aus den Niederlanden um 1465. (Abb. [i]) Auf dem oberen Bild sieht man das königliche Brautpaar auf dem Weg zum fruchtbaren Garten, auf dem unteren erscheint die Braut von einem Flammenkranz umhüllt im Zustand einer Levitation als Ausdruck höchster Liebesvereinigung.

Die christliche „Brautmystik“ wird im Neuen Testament im Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen beschrieben. Während die törichten Jungfrauen, die kein Öl mitgenommen hatten, noch unterwegs waren, um solches zu kaufen, „kam der Bräutigam; die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal und die Tür wurde zugeschlossen.“ [4] Es sei hier nur angemerkt, dass der umstrittene Psychoanalytiker und Sexualforscher Wilhelm Reich Christus als eine sexuell befreite Lichtgestalt ansah, der zu unterscheiden wusste „zwischen Frauen, die sich bei der Umarmung ganz hingeben können und jenen, die die Fähigkeit dazu verloren hatten, die in ihren Liebesorganen ausgetrocknet waren und deshalb riefen: ‚ Herr, Herr, tu uns auf!’“[5] Diese einzigartige sexistische Christusdeutung ist im Kontext der „sexuellen Revolution“ im 20. Jahrhundert zu sehen (Kap. 48).

Die spiritualistische „Lehre vom Seelenbräutigam“ hatte im Kulturleben der frühen Neuzeit einen hohen Stellenwert ein.[6] Irdische Hochzeiten dienten in erbaulichen Predigten als Muster der Himmlischen Hochzeit. Hochzeitspredigten legen davon beredtes Zeugnis ab. So predigte Johann Hesselbach, „Pfarrherr zu Köstendorff inn Ertzstifft Saltzburg“, über die Hochzeit von Kanaan als vornehmste aller Hochzeiten. Maria sei „oben angesetzet“ worden, um zu zeigen, dass Christus, obwohl der Herr, seine Mutter gleichwohl geehrt habe, „also wird sie auch jetzund bey dem Himmlischen Hochzeitlichen Frewden-Mahl von allen hochzeitlichen Gästen / von Engeln so wol als von andern respectiert und hochgehalten.“ [7] Christus erscheint als der „himmlische Bräutigam“, der „seiner Braut der triumphirenten Kirchen“ im Himmel ein „Frewdenmahl“ zubereitet habe.[8] Diesem Thema widmete der „Pfarrherr“ eine ganze Pedigt.[9] Die Hochzeit erschien ihm umso glanzvoller, je höher sie angesiedelt war. Die Königshochzeit – paradigmatisch die Hochzeit von König Alexander mit Cleopatra in Ptolemaida – war selbstverständlich gegenüber der Hochzeit normal Sterblicher glanzvoll: „Aber die Himmlische Hochzeit wird mit viel grösserer Herrligkeit [sic] gehalten.“[10] Allerdings vertrat Hesselbach eine klare Position: Der Mann sei der Frau überlegen, deshalb habe diese sich unterzuordnen: „Und sollen auch die weiber ihren Männern underthon seyn / wie dem Herren. Dann der Mann ist deß Weibes Haupt / wie Christus deß [sic] Haupt ist seiner Kirchen.“[11]

Ein weiteres Beispiel aus derselben Zeit lieferte der österreichische Pfarrer Simon Huebmann, der in Tragöß im Lamingtal (nördlich von Graz) wirkte[12] und erbauliche Schriften mit einschlägigen Titel verfasste, so etwa „Geistliche Vermählung der Seelen, mit Christo ihrem Gespons“ (1662) oder „Geistliches Bräut-Bethlein“ (1669).[13] Die Vermählung wird auf dem Frontispiz der erstgenannten Schrift eindringlich vor Augen geführt. (Abb. [ii]) Gottvater schwebt über den Wolken, darunter schwebt Christus mit Kreuz auf der linken und „Filia“ als Abbild der Seele auf der rechten Seite, die im Text als „Tochter und Kind Gottes“ sowie als „Schwester und Braut Christi“ bezeichnet wird.[14] In der Mitte erscheint der Heilige Geist als Taube, darunter kniet eine betende Gestalt auf dem Felsen des Glaubens. Rechts schwingt der Erzengel Michael als Bezwinger Satans das Flammenschwert. Die Spruchtafeln auf der linken Seite zitieren die Bibel (Hosea 2,18) und den Heiligen Augustinus und wurden vom Autor folgendermaßen übersetzt: „Ich will mich dir Ewiglich vermählen“ und „Ein jegliche Seel ist entweder Christi Braut; oder des Teuffels Anhang“. Sicher ging es diesem Pfarrer nicht um Visionen oder mystische Ekstasen. Vielmehr wollte er seine Mitmenschen zu frommem Leben ermahnen und ihnen vor allem das Gebet als Votum Ad Jesum Sponsum animae“ ans Herz legen: „Daß du [Hoch-Adeliche Seel] dich deinem Himmlischen Bräutigamb in der Lieb ein getrewe Braut erhältest / und dich Ihme allzeit wollgefällig darstellest“. Das „Gebett“ am Ende des Buchs richtet sich noch einmal an „JESU / du Liebhaber unnd Eyfferer unserer Seelen“. [15]

Wenige Jahre später veröffentlichte Huebmann die Schrift „Geistliches Bräut-Bethlein“, deren Frontispiz in Anlehnung an das Hohelied Salomos („En Lectulum Salomonis“) in einem mit Rosen bekränzten Herzen das Schmücken das Hochzeitsbetts durch das Brautpaar darstellt. (Abb. [iii]) Darüber sieht man Gottvater und den Heiligen Geist als Taube. das Brautpaar (die Seele und Christus) sehen recht irdisch und menschlich aus und unterstreichen den sinnlichlichen Charakter der „Vermählung“. Ein solches Himmelbett wurde Ende des 18. Jahrhunderts mit den neuesten technischen Innovationen als reale Begattungsstätte von dem umstrittenen schottischen Heiler James Graham konstruiert und als so genanntes celestial bed in Gebrauch genommen (siehe unten). Die Definition Huebmanns war gemäß der Überschrift des ersten Kapitels eindeutig: „Das Bräut-Bethlein ist die völlige Vereinigung der Seelen mit JESu dem Geliebten: Diese gibt dem Geliebten und der Geliebten die liebliche Ruhe.“[16] Die in heutigen Ohren schwülstig klingende Metaphorik vom „Braut-Bettlein“ in der „Schlaff-Kammer unsers Hertzens“ beschwor immer wieder, das Jesus ein solches haben wolle, „daß die Seel alß die geliebte Braut in selbiger [sic] zugleich mit ihme die liebliche Ruhe nehme“.[17] Es gehe um eine „kleines Bethlein“ (Lectulus) und nicht um ein „grosses Beth“ (Lectus), da Jesus „mit seiner Kleinheit unserer Seelen Bräutigamb worden ist“, uns als Kind geboren wurde.[18]

Ein weiteres Beispiel dieser „Brautmystik“ im Hochbarock präsentiert die „kabbalistische Lehrtafel“ der Prinzession Antonia von Württemberg, die von dem Stuttgarter Hofmaler Johann Friedrich Gruber zwischen 1659 und 1662 gemalt und 1673 eingeweiht wurde. [19] Sie ist bis heute in der Dreifaltigkeitskirche von Bad Teinach zu besichtigen und unterstreicht die Brautmystik eindrucksvoll mit einem dreistrophigen Begleittext. Die Tafel stellt ein aufklappbares Triptychon dar, dessen Frontbild (im zugeklappten Zustand) den Hochzeitszug von Frauen zeigt, der von der Erde bis zum Himmel reicht.(Abb. [iv]) Über den Wolken erscheint Jesus und setzt der den Zug anführenden Braut eine goldene Krone aufs Haupt. „Musizierende Engel und der Text auf einem Spruchband identifizieren das Geschehen eindeutig als chymische Hochzeit mit Jesus als Bräutigam, der gläubigen Seele als Braut und der Gemeinschaft der Frommen als Zuschauer und Nachahmer.“[20] Die Braut ist erkennbar die Prinzessin selbst! Auf den Spruchbändern sind drei Strophen des Sindelfinger Pfarrers Johann Laurentius Schmidlin zu lesen: 

Christus:
Auf, Seele, vermähle dich ewig mit mir,
nimm, Schöne, die Krone, die himmlische Zier.
Tod, Teufel und Höllenmacht hab‘ ich bezwungen,
unendliche Freuden durch Leiden errungen.

Braut:
Nur wertester JESU, du warest mein‘ Lust,
auch außer dir war mir kein Freud‘ bewußt.
Ich liebte dich herzlich im Glauben ohn‘ Sehen:
für Hoffen steht offen, in Himmel zu gehen.

Engel:
Willkommen, ihr Frommen, kommt alle zugleich,
zu leben und schweben, im seligen Reich,
Helf‘ preisen DEN DREIMAL HOCHHEILIGEN NAMEN,
DAS A UND DAS O, singt HALLELUJA mit AMEN!“[21]

 

Die Szene ist im Hinblick auf das Motiv der „Heiligen Hochzeit“ typischerweise vieldeutig: Die Braut kann die Seele, die Kirche, Maria oder − im Sinne des Hoheliedes (canticus canticorum) − Sulamith bedeuten, wie ja überhaupt die drei oben wiedergegebenen Strophen an den erotischen Wechselgesang des canticus canticorum erinnern (Kap. 45). Solche Assoziationen waren den so genannten Nazarenern um 1800 noch geläufig, wie das 1811 entstandene Gemälde des romantischen Malers Franz Pforr „Maria und Sulamith“ erkennen lässt, auf dem beide Frauen in verschiedenen Zimmern auf demselben Stockwerk nebeneinander erscheinen.[22]

Anmerkung vom 4.05.2016

Näheres zu Pforrs Gemälde auf meinem Supplementary Blog, wo es auch direkt reproduziert wird.

Auf die christliche Brautmystik sind wir bereits andernorts eingegangen, etwa auf die von der englischen Mystikerin Jane Leade geschilderte unio mystica mit Sophia (Kap. 29). Jakob Böhme, dessen Werk die von ihr mitgegründete theosophische „Philadelphia Society“ wesentlich beeinflusste,[23] begriff Sophia als Heilige Jungfrau, „darum daß sie ist Zucht und Reinigkeit GOttes, und keine Begierde hinter sich zum Feuer führet, sondern ihre Lust gehet vor sich mit der Offenbarung der Gottheit“.[24] Böhme ging ausführlich auf die Ehe der „Feuer-Seele“ mit Sophia ein, die er mit der Feuer- und Lichtsymbolik eindrücklich veranschaulichte: „Die Feuer-Seele muß im Feuer GOttes bestehen und also lauter seyn als das reine Gold, denn sie ist der Mann der Edlen Sophiae, aus des Weibes Samen, sie ist des Feuers Tinctur, und Sophia des Lichts Tinctur: So die Tinctur des Feuers gantz rein ist, so wird ihr Sophia in sie eingegeben, so bekommt Adam seine alleredelste Braut, die ihm in seinem ersten Schlaf genommen ward, wieder in seine Arme“.[25] Sophia verharre aber nicht ständig bei der Seele, „sondern wenn sie besucht also ihren Bräutigam zu zeiten einmal, wann er ihr auch begehret“.[26] Böhme beschrieb eine interessante Willensübung, eine bewusste Lenkung der Imagination − weg von irdischen Frauen hin zur himmlischen Jungfrau. Man solle nicht mehr in die irdische Sucht Adams imaginieren, vielmehr komme es darauf an, „daß wir nun unsern begehrenden Wille wieder in die himmlische Jungfrau setzen, und unsere Lust darein führen: so geht unsere Bildniß aus der irdischen Frauen aus und empfähet jungfräuliche Essentz und Eigenschaft, darinn GOtt wohnet, da der Seelen Bildniß mag wieder das Angesicht GOttes erreichen.“[27] Das gender-Verhältnis in der Begegnung von Seele als Bräutigam und Sophia als Braut kann sich auch umkehren, insofern Christus mit Sophia verschmilzt und nun als Bräutigam der Seelenbraut erscheint. Denn Sophia stehe „mit ihrem Gemahl Christo in der Ehe, da Christus und Jungfau Sophia nur Eine Person sind, als die wahre männliche Jungfrau Gottes, welche Adam vor seiner Heva [sic] war, da war er Mann und Weib, und doch er keines war, sondern eine Jungfrau GOttes“.[28] Diese Brautmystik war zwar höchst komplex, aber durchaus sinnlich, ging es doch im Kern um „Liebes-Lust“. Allerdings werde diese nur den Eingeweihten spürbar, „so bey und in der Hochzeit des Lammes gewesen“, nämlich „wie gar schöne die Braut ihren Bräutigam in seiner hellen klaren Feuers-Eigenschaft annehme, wie sie ihm ihren Liebes-Kuß gebe.“[29]

Der französische Religionswissenschaftler Antoine Faivre hat diese sinnliche Beziehung zu Sophia in der christlichen Theosophie untersucht.[30] Er stellte zwei verschiedene Sichtweisen heraus: In der ersten erscheine Sophia lediglich als Personifikation von Christus oder dem Heiligen Geist, in der zweiten sei sie aber eine „reale Person“, die als vierte Person die Trinität zur Quaternität ergänze. Der deutsche Arzt und Alchemist Heinrich Khunrath, der sich auch mit dem Hohelied Salomos auseinandersetzte, nahm Sophia als reale Person wahr, ohne in einen sinnlichen Kontakt mit ihr zu gelangen.[31] Ein anderes Verhältnis zu ihr hatte Jakob Böhme, wie wir soeben gesehen haben. Der Lutheraner Johann Georg Gichtel wäre als Promotor der Theosophie besonders zu erwähnen. Er gab 1682 „Alle Theosophischen Schrifften“ von Jakob Böhme heraus, seine Briefe wurden erstmals 1701 ediert und in späteren Auflagen unter dem markanten Titel „Theosophia practica“ bekannt. Für Gichtel war Sophia fundamentaler als Maria, da sie sich selbst in deren jungfäuliche Tinktur eröffnet habe.[32] Sie habe sich mit der Menschheit, die sie nach dem Sündenfall verloren habe, von neuem vermählt und sei zum spirituellen Körper eines wiedergeborenen Christen geworden. Was eine Frau für einen Mann bedeute, bedeute sie für unsere Seelen. Wir Menschen sollten nur unser „Imagination“ auf sie lenken, ihr uns ganz anvertrauen, dann würde sie uns in ihre Arme nehmen und küssen: „setzet im Gebät eure Imagination in Sie, als in eure Haus-Frau, und ergebt euch in ihr Liebe-Regiment mit Leib, Seele und Geist“.[33]

Die Vereinigung beschrieb Gichtel ähnlich wie Böhme als ein blitzartig aufleuchtendes Ereignis, das in einer „Art von orgasmischer Freude“ (kind of orgasmic pleasure), wie Faivre meinte, ende.[34] Diese Liebesbeziehung erschien Gichtel als magisch-magnetischer Prozess: „es hat sich der Bräutiogam in der Seelen offenbaret, und ist so feurig in uns verliebet, dass ich’s mit Worten nicht aussprechen kan, und ziehet uns durch seinen Magneten so stark, dass wir ihm gern entgegen laufen wollen“.[35] Solche Schilderungen entsprachen offenbar persönlichen Errfahrungen. So sei ihm, wie berichtet wird, an Weihnachten 1673 Sophia in Gestalt einer Jungfrau erschienen.[36] Sie habe das Feuer seiner Seele umarmt und ihn „geheiratet“. Keine Frau könne ihren Mann so liebevoll behandeln wie Sophia dies mit Gichtels Seele getan habe. Es sei nicht angebracht, näheres mitzuteilen, was sich im Hochzeitsbett abgespielt habe. Von da an habe sich Sophia nie mehr von Gichtel getrennt. Die sinnliche Erotik dieses Zusammengehens ist beeindruckend. Wer demütig von Herzen sei, „den umarmet und küsset sie, und führet ihn in ihre Braut-Kammer zur Schaulichkeit“.[37] Die himmlische Jungfrau sei „weit inbrünstiger in unser Seelen-Feuer verliebt […], als eine verliebte Braut in ihren Bräutigam“.[38]

Freilich konnten die Geschlechterrollen auch vertauscht werden, was in der theosophischen Literatur häufiger der Fall ist. Sophia konnte den Menschen (Mann) schwängern, so dass er „die grossen Gebuhrts-Schmerzen fühlet“.[39] Sie spielte hier also die Rolle des zeugenden Vaters und der Mann die der gebärenden Mutter. Sie konnte aber auch die Rolle der Mutter übernehmen, wie Gichtel anmerkte: „[Sophia] gibt uns erst von ihrer lieben Mutter-Milch zu trinken, und machet unsere Seele feurig und inbrünstig“.[40] Diese keusche Liebe zu Sophia war verbunden mit einem tiefen Einblick in Himmel und Hölle und dem Wissen um verborgene Geheimnisse, wie es in der „Weisheit Salomos“, einer apokryphen Schrift des Alten Textaments, geschildert wurde.[41] Die Gichtelianer oder „Engelsbrüder“ bildeten 1710 in den Niederlanden eine Sekte, die einen mit ekstatischen Gruppenerlebnissen einhergehenden Sophia-Kult entwickelte. Für Gichtel war Sophia so etwas wie eine Geistführerin, die ihn einmal sogar mit einem Haus „versorgete“.[42]

Die mehr oder weniger sinnliche Begegnung mit Sophia war auch Gegenstand anderer theosophischer Autoren. So veröffentlichte der pietistische Theologe Gottfried Arnold 1700 die Abhandlung „Das Geheimnis der Göttlichen Sophia“, die auch eine Anthologie zu dieser Thematik umfasste. Die Küsse der Sophia seien so süß, dass sie uns alle anderen menschlichen Liebesbeziehungen vergessen machten. Sie sei sowohl „eine jungfrau als ein bräutigam oder auch […] eine mutter“.[43] Bezug nehmend auf das „1. Kapitel des Hohen-lieds Salomonis“ ruft Sophia aus: „ ich will mich übergeben / Zu deinem kuss der gantz jungfräulich ist und rein, / Edler bräutigam wie ist mir / doch so wol in deiner ehe! / Küsse mich doch für und für / Dass der ehe frucht auffgehe: / Wenn sich stärck und sänfftigkeit / Menget nach besiegtem streit“.


[1]http://kabbala-info.net/deutsch/songofsongs.htm (14.03.2012). [2] Walsh, 2000. [3]http://de.wikipedia.org/wiki/Hoheslied#Christentum (14.03.2012) [4] Matthäus 25, 1-13; http://de.wikipedia.org /wiki/Gleichnis_von_den_klugen_und_t%C3%B6richten_Jungfrauen#Text (10.05.2011) [5] Reich, 1978, S. 277. [6] A. u. W. Leibbrand, 1972, 1. Bd., S. 111-127. [7] Hesselbach, 1663, S. 300. [8] A. a. O., S. 408. [9] A. a. O., S. 408-427. [10] Ebd., S. 426. [11] A.a. O., S. 72. [12] http://lamingtal.graz-seckau.at/pfarre-tragoess/pfarrgeschichte?d=die-pfarrkirche-in-tragoess (3.04.2012) [13] Huebmann, 1662; 1669. [14] Huebmann, 1662: Dedicatio [4].  [15] A. a. O., S. 287 f. [16] Ebd., S. 10-23. [17] Ebd., S. 11. [18] A. a. O., S. 19. [19] http://de.wikipedia.org/wiki/Kabbalistische_Lehrtafel (14.05.2012) [20] Schauer, 2006. [21] http://pamela2051.tripod.com/ (14.05.2012) [22] http://de.wikipedia.org/wiki/Sulamith (22.07.2012) [23] http://www.users.globalnet.co.uk/~emcd/AlphaRoots_Boehme_Leade.htm (3.04.2012) [24] J. Böhme [1730], 1960, Bd. 5, S. 115. [25] A. a. O., Bd. 11, S. 339. [26] A. a. O., Bd. 2, S. 150. [27] A. a. O., Bd. 4, S. 91. [28] A. a. O., Bd. 8, S. 525. [29] A. a. O., Bd. 7, S. 191. [30] Faivre, 2008. [31] Ebd., S. 282. [32] A. a. O., S. 284. [33] Zit. a. a. O., S. 285 u. 300. [34] Ebd., S. 285. [35] Zit. a. a. O., S. 299. [36] A. a. O., S. 286. [37] Zit. a. a. O., S. 287 [25. August 1699]. [38] Zit. ebd. [39] Zit. a. a. O., S. 288 [17. Mai 1701]. [40]Zit. ebd. [41] A. a. O., S. 289. [42] A. a. O., S. 290. [43] Zit a. a. O., S. 291.

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[i] B. Wagner, 2012, S. 64; http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00038199/image_8 (14.03.2012); → Abb. Canticus canticorum ca. 1465  [ii] Huebmann, 1662: Frontispizhttp://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10263671_00009.html (21.07.2012),; → Abb. Huebmann 1662  [iii] Huebmann, 1669: Frontispiz; http://www.gbv.de/vd/vd17/23:674012G (21.07.2012); → Abb. Huebmann 1669 [iv]http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b8/DH-Brautzug_Sulamith.jpg (22.07.2012); → Abb. Lehrtafel der Prinzession Antonia Frontbild